Allgemein · Nachdenkliches

Warum Momo, Peter Pan und Robin Hood mehr als nur Helden der Kindheit sind

Wenn ich mich entscheiden müsste, welches Kinderbuch mein Liebstes ist, dann würde ich mich für „Momo“ von Michael Ende entscheiden. Darin geht es um ein Mädchen in großem Mantel. Sie taucht ohne Eltern in einer Stadt auf, wohnt im alten Amphitheater und schenkt den Dorfbewohner etwas sehr Wertvolles : Zeit!

Neal Fowler
Neal Fowler „YOU’RE CALLED WINNIE THE WHAT??“Quelle: www.piqs.de Some rights reserved.

Deshalb wird sie bald bei Jung und Alt sehr beliebt. Niemand konnte je so gut zuhören wie Momo. Und niemand konnte je so gut spielen wie Momo. Doch plötzlich tauchen merkwürdige Männer in grauen Anzügen mit Zigarren im Dorf auf, die es sich zur Aufgabe gemacht haben Zeit zu stehlen. Das führt zu merkwürdigen Ereignissen und allerlei Dinge geschehen. Das Ende möchte ich nicht verraten, allerdings hat mir dieses Buch schon sehr früh deutlich gemacht, dass selbst der größte Geldhaufen oder das tollste Auto nicht die Zeit ersetzen können, die mir eine liebe Person schenkt.

Kinderbücher und Kindheitshelden sind etwas Fantastisches. Ob nun Momo, Robin Hood oder Ronja Räubertochter. Ob Bibi Blocksberg, Popeye oder Peter Pan. Alle hatten sie etwas, dass man sich selbst wünschte. Jeder Kindheitsheld hatte Charaktereigenschaften, die man, wenn man einmal darüber nachdenkt selber haben wollte, als man noch jung war. Man wollte zuhören können wie Momo, Gerechtigkeit schaffen wie Robin Hood und in den Wäldern leben wie Ronja Räubertochter. Man wollte gerne zaubern können wie Bibi Blocksberg, stark sein wie Popeye und auf keinen Fall, jemals erwachsen werden, ebenso wie Peter Pan. Erwachsen geworden sind wir ja doch alle. War also alles umsonst? Haben wir uns selbst belogen und unsere Kinderwünsche aus den Augen verloren?

Ich glaube nicht. Ich glaube vielmehr, dass unsere Kindheitshelden, auch heute noch, einen starken Einfluss darauf haben können, was für Charaktereigenschaften wir zu entwickeln anstreben. Wenn man früher Momo geliebt hat, so wird man niemals ganz vergessen, wie wertvoll Zeit sein kann. Es kann sein, dass man sich zwischenzeitig nicht daran erinnert, aber letztlich ist das Wissen immer da. Genau so ist es auch mit Peter Pan. Wir wollten nie erwachsen werden. Und das werden wir auch nicht. Denn wer Peter Pan kennt, weiß, dass man älter werden muss, dass man sich auch weiterentwickelt, aber dass man niemals ganz das Kind sein verlernen darf.

Und so sind Kindheitshelden alles andere als unnötig. Und nicht nur etwas für die Kinder. Ein Kinderbuch kann doch so schön sein und im selben Atemzug zum Nachdenken anregen. Denn in Kinderbüchern steckt viel Sinnvolles und viel Kritisches, auch über unsere heutige Gesellschaft. Robin Hood klaut von den Reichen und gibt es den Armen, denn die einen haben so viel, dass sie es gar nicht alles verbrauchen können und die anderen sind kurz vor dem Hungertod. Wie schön wäre es, wenn dies nur eine Geschichte wäre, die durch einen Helden ein Happyend erfahren kann? Und doch kann man sich ein Beispiel daran nehmen, zu teilen, nicht nur Ruhm und Ehre zu erstreben, sondern jene High Society eben auch einmal kritisch zu betrachten. So sind Kinderbücher viel mehr als nur lustige Geschichten und Kindheitshelden oft ein Leben lang Vorbilder. Denn seien wir mal ehrlich: Wer verfällt nicht in helle Aufregung, wenn der alte Lieblingsfilm aus der Kindheit im Fernsehen kommt? Und das ist auch gut so, denn wir brauchen unsere Helden und so ist es doch schön, wenn diese noch Inhalte haben, die anzustreben es sich lohnt.

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