Allgemein · Kultur

Cavalleria Rusticana/ Der Bajazzo

Am Sonntagabend durfte ich mal wieder in die Kieler Oper. Es wurden zwei Stücke aufgeführt, deren einzige wirkliche Gemeinsamkeit ich darin sehe, dass es sich bei beiden um Eifersuchstdramen handelt. Bei der inhaltlichen Beschreibung der Stücke musste ich an eine Mischung aus RTL2 und Schiller denken.
Der hat was mit dem gehabt, deshalb ist jetzt der sauer -> RTL2.
Der Ehemann ermordet deshalb seine Frau und ihren Liebhaber -> Schiller.
Mit dieser Erwartungshaltung ging ich nun also in die Oper.

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Foto: Olaf Struck

Zuerst wurde das Stück Cavalleria Ruscticana aufgeführt. Es spielt im ländlichen Italien und um die Zeit des Osterfestes herum. Aufgrund dessen, gab es in dem Stück sehr viel Bezug zum katholischen Glauben. Das Bühnenbild erinnerte an eine alte, mächtige Kirche, die Kostüme gingen über von Nonnenkleidern zu Heiligenbildern und nicht nur einmal wurde „Ich bete für dich“ oder „Gott segne dich“ oder ähnliches gesungen. Ich muss sagen, dass mir das Stück leider so gar nicht gefallen hat. Ich persönlich stehe dem katholischen Glauben sehr kritisch gegenüber und fühle mich in Kirchen einfach nicht wohl. Das mag daran liegen, dass ich mich mit dem Gedanken, dass man ein Haus bauen muss, um einem möglicherweise existierendem Gott nahezu sein und dass dieses Haus dann auch noch dafür sorgen soll, dass man sich klein und unwichtig gegenüber der Allmacht Gottes fühlt, einfach nicht anfreunden kann. Es könnte auch an meiner politischen Bildung liegen aufgrund derer ich wie Marx sage:

„Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“

Abgesehen von diesem Aspekt waren sowohl Bühnenbild als auch Kostüme sehr eindrucksvoll und mit Liebe zum Detail gestaltet. Ohne vorher gelesen zu haben, worum es inhaltlich geht, hätte man allerdings vermutlich wenig verstanden, denn einige Szenen blieben wirklich unklar. Zum Beispiel hat Lola mit Santuzzas Mann Turrido geschlafen, während diese noch im Raum anwesend war. Die Frage, ob sie wirklich noch dort war oder nicht, blieb zumindest mir und meiner Begleitung offen. Das Scheinwerferlicht war auf sie gerichtet, aber sie verhielt sich überhaupt nicht ihrer Rolle entsprechend, sondern stand stumm da. Im Gegenteil zu großen Teil der restlichen Oper, in der sie schöne, lange Monologe sang.

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Foto: Olaf Struck

Nach einer Pause kam dann das zweite Stück, was mich wieder daran erinnerte, warum ich die Oper eigentlich so liebe. Der Bajazzo wurde eröffnet mit einem wunderschönen Sternenhimmel und einem dicken Mann in Narrenkleidern, der einem fröhlich erzählte, er sei der Prolog.

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Foto: Olaf Struck

Bevor das Stück begann hatte ich noch gelesen, dass die Figuren selbst ein Theaterstück im Theaterstück aufführen sollten. Ich hatte etwas Sorge, dass man nicht verstehen würde, wann geschauspielert wird und wann die Figuren wieder sie selbst sind. Ich muss aber sagen, dass gerade dieser Teil sehr, sehr gut gemacht war. Als Schauspieler trugen sie lustige Narrenkleider, als sie selbst waren sie hauptsächlich schwarz gekleidet. Wirklich berührt hat mich Bajazzos Gesang dazu, dass wir doch alle immer eine Maske trügen, auch wenn wir nicht auf der Bühne seien. Ich glaube, dass wirklich viele Menschen sich nicht trauen sie selbst zu sein und stattdessen vorgeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Gerade in Beziehungen, verändern wir uns oftmals sehr für unseren Partner ohne es überhaupt zu merken und wundern uns dann warum wir nicht so richtig glücklich sind.

In dem Stück geht es ebenso wie in dem ersten Stück um eine Eifersuchtsgeschichte. Canios Frau Nedda betrügt diesen mit Silvio. Tonio ist auch in Nedda verliebt, wurde aber von ihr abgewiesen. Deshalb verrät er Nedda und Silvio an den Ehemann, als er die beiden heimlich beobachtet. Der Ehemann ist so verletzt, dass er sowohl Nedda als auch ihren Liebhaber bei der Abendlichen Theatervorstellung in der Nedda und ihr Ehemann mitspielen, umbringt. Besonders gut hat mir hier das Ende gefallen. Nachdem Canio zornig Nedda und Silvio umgebracht hatte kommt kein langes Weinen oder Bedauern mehr von diesem. Nein, es heißt nur aus seinem Mund „Die Komödie ist beendet“. Und damit schließt sich der Vorhang.

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Foto: Olaf Struck

Der Bajazzo war vom Bühnenbild sowie von den Kostümen her wunderschön und hat mich in eine andere, traumhaftere Welt entführt. Die Personen und ihre Probleme waren sehr realistisch. Vom Gesang her hat mich der Bajazzo auch deutlich mehr überzeugt als die Cavalleria Rusticana, weil es hier viel mehr männliche Stimmenanteile gab. Ich persönlich bin einfach kein großer Fan von einer Stunde weiblichem Operngesang am Stück, aber ich denke das ist Geschmackssache.

Alles in allem muss ich sagen, dass ich mir die beiden Stücke zusammen nicht noch einmal ansehen würde, da mich die Cavalleria Rusticana wirklich so gar nicht überzeugt hat. Der Bajazzo hingegen war ein wirklich sehenswertes Stück, dass dafür sorgen kann, dass man vergisst, wo man gerade ist und sich vollkommen in die traumhafte Welt der Oper fallen lässt.

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Foto: Olaf Struck

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