Allgemein · Kultur · Lyrik

Macht was ihr wollt, liebt wen ihr wollt!

Donnerstagabend 20Uhr. Die letzten Strahlen wohligwarmen Sonnenlichts fallen genau auf die Bühne des diesjährigen Sommertheaters auf dem alten MfG-5-Gelände. Man kann das Meer riechen und die freudige Erwartung des Publikums spüren. Dann geht es los. Und zwar nicht mit irgendeinem Stück, das alles hatte, was ich mir gewünscht hätte und sogar mehr. Das diesjährige Sommertheater in Kiel „Was ihr wollt“ wird seinem Titel wirklich gerecht. Gleich vorab einmal die Information: Wer sich das Stück gerne ansehen möchte aber noch keine Karte hat, kann sich auch heute Abend in Kiel an den Bootshafen, auf den Vinetaplatz, ans Skagerrakufer oder an zwei weitere Orte in Kiel setzten und sich die Premiere von Shakespeares Komödie über die kostenlose Live-Übertragung ansehen.

Was_ihr_wollt_05
Im Hintergrund das Meer ❤ Foto: Olaf Struck

Ich durfte das Stück gestern schon sehen und zwar in der Generalprobe. Und ich muss sagen, dass es mir so gut gefallen hat, dass ich mich heute definitiv mit ein paar Freunden und einem Gläschen Wein an den Bootshafen setzten werde, um es mir gleich noch einmal anzusehen. Zuerst war ich etwas kritisch. Ich hatte schon gehört, dass Shakespeares Klassiker etwas moderner interpretiert wird und dass es sich um ein Musical handelt, in dem also die Schauspieler  wieder singen. Ich finde es immer sehr schwierig Stücke, die nun einmal in einer anderen Zeit geschrieben wurden in die heutige Zeit zu übersetzen. Wenn ich ehrlich bin habe ich selten gesehen, dass das gut gegangen ist. Gestern Abend war eines dieser wenigen Male, bei dem es wirklich gut gepasst hat. In den richtigen Augenblicken war das Stück modern und nahm Bezug auf für unsere Epoche typische Dinge wie Dating-Apps und in anderen Momenten entsprach die romantische Stimmung wieder derer, der Zeit in der es geschrieben wurde. Sogar Shakespeares alte Reime wurden dann so wiedergegeben, wie sie im Buch stehen und brachten damit die Herzen des Publikums zum Schmelzen. Was ich besonders beeindruckend finde, ist wie leicht und ohne Stolpersteine der Übergang zwischen Moderne und Klassik rüberkam.

Was_ihr_wollt_04
Foto: Olaf Struck

Genau diesen Eindruck verstärkten noch, die sportlich, sowie künstlerisch beeindruckenden Tanzeinlagen der Stepptänzer und der Schauspieler, die in der kurzen Zeit wirklich viel gelernt hatten, was sich auch auf der großen Bühne zeigen lassen konnte. Stepptanz war noch nie etwas gewesen, für das ich mich übermäßig interessiert oder begeistert hatte. Trotzdem passten die Showeinlagen wunderbar in die jeweilige Szene und vermochten durch Körperspannung und Können zu begeistern.

Dazu passend gab es natürlich Musik. Nach dem Poster, welches sowohl mich, als auch sämtliche Freunde mit denen ich über das Stück sprach an „LaLaLand“ erinnerte, hatte ich ein wenig Angst. Lalaland ist musikalisch sowie eigentlich auch auf allen anderen Ebenen überhaupt nicht meins und daher war ich umso glücklicher festzustellen, dass die Sommeroper diesem prominenten Beispiel der Mischung aus Jazz und triefend kitschiger Romantik nicht folgte. Stattdessen gab es eine Vielzahl an Songs, die doch relativ verschieden waren. Die Bezeichnung Musical wird dem Stück auf jeden Fall gerecht. Außerdem ist mir aufgefallen, dass mir die Gesangseinlagen der Schauspieler deutlich besser gefallen haben als in der Rockoper „Die Räuber“, in der ich nicht allzu begeistert vom Gesang war. Es machte Spaß zuzuhören und an manchen Stellen musste man schon leicht mitwippen.

Was_ihr_wollt_11
Foto: Olaf Struck

Insgesamt wurde den Schauspielern sehr viel abverlangt. Sie mussten singen können, steppen können und natürlich schauspielern. Ich möchte nicht zu viel vom Stück verraten, da ich hoffe, dass ihr es alle heute irgendwie zu dem Puplic Viewing schafft, aber sowohl meine Begleitung als auch ich waren uns einig, dass ein Liebespaar, welches sich unendlich lange strahlend vor Glück in die Augen sah, entweder wirklich frisch verliebt sein musste, oder wirklich verdammt gut schauspielern konnte. Nicht minder beeindruckend fand ich allerdings die Arroganz des narzisstischen Dieners der Gräfin Olivia.  Selten habe ich so lachen müssen, wie bei dieser zugegebener Maßen recht überzogenen Darstellung eines Narzissten. Aber seht selbst und lacht selbst!

Was_ihr_wollt_06
Foto: Olaf Struck

Insgesamt fand ich das Stück wirklich fantastisch. Es wird nochmal klar, dass Shakespeare kein abgehobener Künstler war, sondern Stücke für das Volk (für den Pöbel 😉 ) geschrieben hat. Ich denke, dass hier für jeden etwas dabei ist. Es gibt verschiedene Arten des Humors, die bedient werden, eine (oder mehrere?) Liebesgeschichte(n) und auch aus der Politik wird sich nicht herausgehalten. Einen besseren Ort als direkt an der Ostsee mit dem Meer im Hintergrund hätte man auch nicht finden könne. Am Ende denke ich nicht, dass irgendjemand etwas dagegen einwenden kann, wenn „Macht was ihr wollt, liebt wen ihr wollt!“ durch ganz Kiel schallt.

Was_ihr_wollt_12
Foto: Olaf Struck

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s