Allgemein · Konsum- und Gesellschaftskritik · Nachdenkliches

Rock am Ring – nicht nur der Terror nervte

Letzte Woche Freitag (am 2.2.17) sollte „Rock am Ring“ mit den ersten Konzerten starten. Um überhaupt noch einen guten Zeltplatz zu finden fuhr ich deshalb Mittwochnacht voller Vorfreude und laut „Feuer Frei!“ (Song von „Rammstein“) singend los Richtung Nürburgring. Rammstein sollte ja auch nicht die einzig gute Band sein, die auftreten würde. Ich freute mich riesig auf „Five Finger Death Punch“, „System of a Down“, „Kraftklub“, „the Clutch“, „Suicide Silence“ und „die Toten Hosen“. Trotzdem: Der Hauptgrund, aus dem ich mir die 190€ teure Karte gekauft hatte war natürlich und ganz eindeutig Rammstein. In meiner Vorfreude ahnte ich natürlich nicht, was dann passieren würde.

Donnerstag früh auf dem Festivalgelände angekommen freute ich mich erstmal. Der Parkplatz war direkt neben dem Campingplatz und so musste ich meinen ganzen Kram echt nicht weit schleppen. Außerdem hatten fast alle Besucher mindestens fünf oder sechs Paletten Bier dabei, was mir gleich sehr sympatisch war. Am ersten Abend wurde mir eines schnell klar. Die Besucher des Rock am Ring wollen feiern und ordentlich besoffen werden. Meistens bleiben sie dabei jedoch in ihren eigenen Gruppen, die sich nur selten mal zum Flunkyball oder Bierpong spielen vermischen. Mein Freund und ich waren nur zu zweit angereist und damit eine echte Ausnahme. Wir hüpften durch die verschiedenen Camps, versuchten alle einmal kennenzulernen, mit jedem mal ein Bier zu trinken. Die Meisten schauten erst etwas merkwürdig, waren dann aber doch ganz nett.

Am nächsten Tag mussten wir dann zum ersten Mal auf das Festivalgelände. Ich meine, ja, eigentlich sollte das ein schöner, aufregender Moment sein, wenn man ein unbekanntes Festivalgelände zum ersten Mal betritt. War es aber nicht. Der Weg zum Gelände hin dauerte ungelogen über eine Stunde. Und das ist der reine Fußweg. Wir haben natürlich um einiges länger gebraucht weil wir uns von lustigen Festivalbesuchern aufhalten ließen (was echt das einzig gute an dem stetig bergauf verlaufenden Weg zum Gelände war). Dann durfte man noch keinerlei Getränke (nicht einmal Wasser, auch nicht ein Bisschen) mit auf das Festivalgelände nehmen. Ich war angepisst. Klar, es gibt (zum Glück) an jeder Ecke Trinkbecher mit Wasser umsonst. Aber wenn man sich, wie ich, in das Moshpit stürzt und danach ordentlich Durst hat, nützt das so ungefähr gar nichts. Auf dem Festivalgelände selbst gab es jede Menge Essen, Werbestände und riesige Bühnen. Die größte Bühne von allen, die „Volcano Stage“ wollten wir uns gleich mal angucken.

Doch so einfach war das alles nicht. Die „Volcano Stage“ war nämlich in drei Bereiche unterteilt. Wenn der Bereich direkt vor der Bühne voll war, kam man da nicht mehr rein. Auch nicht wenn jemand rausgeht. Vor uns verließen also etwa 50 Leute den Bereich direkt an der Bühne, weil das Konzert, dass sie sehen wollte gerade vorbei war, wir durften trotzdem nicht rein und wurden von den Securities angemault, dass wir jetzt doch gefälligst einfach in den anderen Bereich gehen sollen. Nunja. So standen wir dann in Bereich B (nicht A 😦 ) und beschlossen dort nie wieder weg zu gehen. Nagut zumindest nicht bis Rammstein gespielt hat. Also. Nur noch drei Bands in einer riesigen Menschenmenge und dann kommt Rammstein. YEAH!

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Quelle: Pixabay.com

Zwei Bands später war alles nicht mehr so toll. Meine Füßen taten weh, ich war völlig durchgeschwitzt, man konnte sich nicht mal in den Pausen zwischen den Konzerten hinsetzen und dann spielten auch noch die Broilers, die ich echt so richtig kacke finde. Live noch beschissener als wie auf Platte!

Naja. Aber wenn man denkt es ist scheiße, wenn man denkt, man hat das ganze Gewühl und Gedrängel und jetzt auch noch eine halbe Stunde schlechte Musik für einen höheren Grund (Rammstein) durchgehalten, dann kann es noch beschissener kommen. Dann wird nämlich das Gelände geräumt und Rammstein nicht mehr nachgeholt, wegen Terrorgefahr. Ehrlich gesagt hat keiner irgendwelche Infos bekommen außer, dass ein „akuter Verdacht“ bestünde und das Gelände deshalb leider geräumt werde. Ich muss sagen, das einzig gute an dieser Situation war wirklich, dass die Festivalbesucher nicht in Panik verfallen sind. Alle sind gesittet „eisgekühlter Bommerlunder“ singend, vom Gelände und anderthalb Stunden wieder zurück zum Campingplatz gelaufen.

Trotzdem: Ich werde dieses Festival nie wieder besuchen. Die Besucher sind vielleicht ganz ok und cool aber das ganze Drumherum ist reine kapitalistische Abzocke. Und das sage ich nicht, weil Rammstein, wegen denen gefühlt jeder fünfte Besucher da war, nicht mehr gespielt haben. Das sage ich, weil der Shuttlebus zum Gelände trotz 190€ Kartenpreis extra kostet, weil keine Wasserflaschen mit aufs Gelände genommen werden dürfen aber ein Bier dort 5€ plus Becherpfand kostet. Es tut mir leid Rock am Ring, es tut mir leid für die geilen Bands die gespielt haben und auch echt gut waren (zumindest die die ich noch sehen durfte), aber die Veranstalter dieses Festivals, die es durch so viele Kleinigkeiten schöner machen könnten, tun es nicht. Da ist mir ein kleines Festival wie das „Wutzrock“ oder „Wilwarin“, wo alle kreativ sind und gemeinsam das Festival bereichern doch tausendmal lieber als so eine Konsumveranstaltung. Selbst wenn es verdammt gute Musik ist, die konsumiert wird.

 

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