Allgemein · Reisen

Reise vor der Haustür: ein Experiment

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“, soll Goethe einmal gesagt haben und wird millionenfach zitiert. Doch was ist dran, an Goethes kleinem Denkanstoß? Mit ihrem Aufruf zu einer Blogparade, schreiben John & Marc von 1 THING TO DO, dass wir uns im Alltag ganz anders verhalten als auf Reisen. Auf Reisen sind wir neugierig, wollen alles entdecken und  gehen mit weit geöffneten Augen durch die Welt. Unser Alltag hingegen erscheint uns oft trist. Wir stopfen uns Kopfhörer in die Ohren und laufen blind die altbekannten Wege. Doch was, wenn man dieses Muster einmal durchbrechen würde? Was, wenn man sich vor der eigenen Haustür einmal wie auf Reisen verhalten würde. Dazu das einmal auszuprobieren, ruft 1THING TO DO in ihrer Blogparade auf.

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Gefunden auf pixabay.com

Ich finde die Idee einfach super. Ich meine klar, ich selbst bin auch einer dieser Menschen, die sobald es nur möglich ist das Land verlassen und sich in tausend Abenteuer in fremden Ländern stürzen. Ich liebe es, Neues zu entdecken und aus meinem gewohnten Denkschema auszubrechen. Reisen in die ferne, gerade in andere Kulturen können oft den Vorteil haben, dass sie uns dazu bringen, über unsere eigenen Gewohnheiten reflektierter nachzudenken. Doch nichtsdestotrotz, es gibt auch Zeiten, in denen ich nicht reise. Und ich stimme den Jungs von 1 THING TO DO zu, dass man diese Zeit auch einmal genauso intensiv wie beim Reisen erleben könnte.

Also gehe ich los. Erst einmal gehe ich in Richtung Strand. Der ist nicht einmal eine Viertelstunde von meiner Haustür entfernt und so habe ich schon seitdem ich klein bin unzählige Stunden hier verbracht. Ich kenne den Strand quasi in und auswendig. Allerdings nur ein kleines Stück weit. Ich habe keine Ahnung, was mich erwarten würde, würde ich länger als nur zehn Minuten am Strand entlanggehen. Ich meine ja, ich kenne die Ortschaft, die ich rein logischer Weise irgendwann erreichen müsste, aber ich kenne den Weg nicht. Also werde ich ihn mir ansehen. Mit den Augen einer Reisenden.

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Gefunden auf pixabay.com

Ich gehe am Strand entlang. Zuerst wird aus dem weißen, unberührten Strand immer steinigere Boden. Ich finde eine Versteinerung und viele, viele schöne Muschelschalen. An einem Baum hängt eine selbstgebaute Schaukel aus einer alten Boje. Ich lächel und laufe weiter. Irgendwann erreiche ich einen Abschnitt, auf dem der Sand wieder weiß wird. Hier liegen viele umgestürzte Bäume herum, sodass ich ein wenig klettern muss. Rechts von mir befindet sich das tosende Meer, links von mir erblicke ich den Beginn einer Felswand. Diese wird, je weiter ich geradeaus gehe immer größer und mächtiger, bis ich letztlich an einer unfassbar schönen und beeindruckenden Steilküste stehe. Ich setzte mich hin, male im Sand und genieße das Rauschen der Wellen. Ganz bewusst atme ich tief ein, um zu spüren, wie sich meine Lungen mit dem salzigen Geruch des Meeres füllen. Die Möwen kreischen und laufen den Strand entlang. Und mir erscheint es unglaublich, dass ich diesen Ort zuvor noch nie gesehen hatte. Er ist gerade einmal eine Stunde zu Fuß von meiner Haustür entfernt und ich hatte nicht die geringste Ahnung.

Gemäß dem Motto, sich zu benehmen, wie auf Reisen, nehme ich für den Rückweg einen anderen Weg. Also klettere ich an ein paar Bäumen bis zur obersten Kante der Steilküste und laufe nun am oberen Rand der Felsen entlang. Hier entdecke ich sogar ein Schild, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Außerdem wird berichtet, wie groß die Artenvielfalt und wie besonders der Lebensraum dieser Steilküste ist. Ich habe wieder etwas dazu gelernt und einen wunderschönen Tag erlebt.

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Gefunden auf pixabay.com

Der Tag als Reisender in der eigenen Stadt hat mir sehr gefallen. Das Experiment zeigt, dass man ganz allgemein, wenn man  nur die Augen aufhält einiges erleben kann. Dass man, wenn man neue Wege geht, häufig dafür belohnt wird und dass es eigentlich nicht schaden kann, die Welt um uns herum ein wenig bewusster wahrzunehmen. Trotzdem reise ich noch gerne in andere Länder und denke, dass sie etwas an sich haben, dass reisen im eigenen Land nicht haben. Die Leute sind anders, die Sprachen ist anders und die Kultur ist anders. Es gibt also nicht nur in Bezug auf Landschaften und Aktivitäten einiges zu entdecken. Nein, Reisen in ferne Länder haben gerade sozial und kulturell ein hohes Potenzial uns zu bilden und zu beeindrucken. Trotzdem kann auch ein Spaziergang im altbekannten beeindrucken, wenn man nur die Augen offen hält.

 

 

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2 Kommentare zu „Reise vor der Haustür: ein Experiment

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