Konsum- und Gesellschaftskritik · Nachdenkliches

Fashion Blogs – Maskenbildner und/oder Indivualisten?

Die Welt der Blogger ist übersät von Fashion-Blogs. Dort stellen viele Blogger Bilder von fashion.jpgsich in ihrer Kleidung online und schreiben Texte darüber, was sie da eigentlich tragen. Doch warum gibt es eigentlich so viele Fashion-Blogs?

Nicht nur Mode-Bloggern ist Kleidung wichtig. Jeder von uns gibt mit seiner Kleidung ein gewisses Statement ab. Manchen ist Kleidung eher unwichtig oder auch völlig egal. Doch irgendwie laufen wir doch alle (zumindest wenn wir nicht gerade nackt Baden oder in einem Nudistencamp sind 😉 ) gekleidet durch die Welt. Eben diese Kleidung sorgt zusammen mit unserer Mimik, Gestik und sozialem oder eben nicht sozialem Verhalten dafür, dass sich ein erster Eindruck bei Menschen, die wir nicht kennen zusammensetzt. Diesen Eindruck versuchen die Meisten durch die richtige Kleidung in eine von ihnen vorgesehene Richtung zu lenken.
Man kann Kleidung tragen, die sein Innerstes repräsentieren soll. Ein Hippie zum Beispiel trägt luftige Blümchenkleider, weil sein Innerstes, poetisch gesagt einer Blütenwiese gleicht. Man kann aber auch Kleidung tragen, die maskieren soll. Ein Hemd mit Krawatte zum Beispiel repräsentiert den Charakter der Wenigsten. Es enthält weder Wünsche noch Träume. Es soll viel mehr den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Diese schreiben vor, dass in vielen Jobs der Charakter eines Menschen, zumindest während der Arbeitszeiten nicht zum Vorschein kommen sollte. Ob das Innere einer Blütenwiese gleicht ist nicht nur eine Information, die den Arbeitgeber nicht interessiert, sondern auch eventuell hinderlich bei Verkaufsgesprächen. Deshalb wird der Charakter verhüllt. Man maskiert sich mit seiner Kleidung.
Fashion-Blogger wollen ihren Charakter aber nicht verhüllen. Sie wollen nicht nur ihren eigenen Charakter in Form von Kleidung im Internet erklären, sie wollen auch die Möglichkeiten, die Kleidung bietet aufzeigen. Deshalb werden teilweise auch verschiedene Stile auf einem Blog gezeigt. Doch warum wird gelesen und angesehen, was andere so tragen?
Das Fashion-Blogs gelesen werden liegt vor allem in dem Interesse an Mode. Dieses wird von klein auf gezielt erzeugt. Durch Werbung, TV-Shows, Magazine und durch das allgemeine Verhalten der Menschen in einer Gesellschaft an sich, wird Kleidung ein sehr hoher Stellenwert zugesprochen. Wir wollen nicht nur, dass unser erster Eindruck möglichst positiv ausfällt, uns wird auch projeziert, dass er genau dann gut ist, wenn man als Frau weibliche, aber nicht zu figurbetonte, professionell und nicht billig wirkende Kleidung trägt. Das alles wird einem schon von klein auf so mitgegeben. Deshalb ist Kleidung viel mehr als der Ausdruck eines inneren Vorgangs.
Meiner Meinung nach ist sie in den meisten Fällen eine Art Maskerade. Sie soll im besten Fall Aspekte unserer Persönlichkeit hervorheben und andere, die uns nicht so vorteilhaft erscheinen verschleiern. Häufig soll sie auch hauptsächlich verschleiern und lässt nur wenige Aspekte unseres eigentlichen Charakters zum Vorschein kommen.
Ich halte es für wichtig, dass man sich in seiner Kleidung wohlfühlt. Die Bedeutung die ihr jedoch zukommt ist viel zu hoch. Man sollte sich viel mehr auf den Charakter eines Menschen konzentrieren als ihn anhand von Äußerlichkeiten einzuordnen. Andererseits lässt sich durch Kleidung auch viel ausdrücken und wir sind trotz allen eventuellen Bemühens noch nicht an dem Punkt angelangt , wo wir ganz ohne Vorurteile auf andere Menschen zugehen und ihr Aussehen dabei völlig außen vor lassen. Fashion Blogs sehe ich persönlich trotzdem als einen Schritt in die falsche Richtung an. Zwar ist die Bemühung dahinter häufig die Individualität des eigenen Kleidungsstils zum Ausdruck zu bringen, allerdings suggerieren sie trotzdem eine enorme Bedeutung von Kleidung und sorgen somit eher für mehr Maskerade als für weniger Oberflächlichkeit.
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2 Kommentare zu „Fashion Blogs – Maskenbildner und/oder Indivualisten?

  1. Ich gebe dir voll und ganz recht! Kleidung kann ja auch Verkleidung sein. Es gibt sehr viel Berufskleidung, die auf den ersten Blick keine Berufskleidung ist. Aber bei meinen Kolleginnen im Lehrerzimmer sieht man ihr Dasein als Grundschullehrerin schon an der Kleidung: Klassisch mit Halstuch. Hat sich wohl eingebürgert – nur bei mir eher selten. Ich trage, wonach mir gerade ist. Natürlich auch irgendwie klassisch. Die Business-Kleidung habe ich seit meinem ersten Beruf abgelegt – steht mir nicht mehr und wirkt zunehmen wie eine Verkleidung 🙂
    Liebe Grüße,
    Yvonne

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  2. Kleidung ist immer ein Statement. Da gebe ich dir vollkommen recht. Ein Statement wofür, bleibt meiner Meinung nach offen. Wenn wir interpretieren, warum diese oder jene Person genau so und nicht anders gekleidet ist, können wir das nur aus unserer Sicht interpretieren. Und die ist naturgemäß sehr eingeschränkt. Weil wir ja nur das einbeziehen können, was wir kennen. Um auf das Beispiel mit dem Anzug einzugehen: Anpassung ist eine von vielen Möglichkeiten. Vielleicht tut es jemand aus Gewohnheit, vielleicht, weil er sich wohlfühlt, vielleicht ist es ein politisches Statement, vielleicht eine Abgrenzung, vielleicht, weil er oder sie einen Termin hat, für den dieses Kleidungsstück vorgeschrieben ist, vielleicht weil es ein Kindheitstraum war… und so weiter. Dann kommt es noch darauf an, was für ein Anzug. Ein Anzug kann Punk ebenso sein wie Business oder Ball. Aber du hast natürlich vollkommen recht: Wenn wir jemanden in einem bestimmten Stil gekleidet sehen, löst das bei uns eine ganze Kette an Assoziationen und Erwartungen aus. Die können dann richtig sein oder falsch. Liebe Grüße

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