Konsum- und Gesellschaftskritik · Nachdenkliches

Topmodels: Wann darf man endlich Klone züchten?

Gerade lief die zweite Folge der aktuellen Staffel von Germanys next Topmodel im Fernsehen. Eigentlich war das Übliche zu sehen. Abgemagerte Körper und Mädels, die versuchen um jeden Preis aufzufallen. Doch…. heute gab es etwas Besonderes… Ein Fünkchen Individualismus keimte auf.

Die dunkelhaarige Laura hatte nämlich Dreadlocks. Ja genau. Diese verfilzten Strähnen. Dass so etwas für Jurorin nicht nur Neuland sondern auch ein Dorn im Auge ist wird sogleich zur Sprache gebracht. Sie behauptet Lauras für den Dreadlockkenner sehr gepflegte Haare seien ungepflegt und Laura müsse eine Entscheidung treffen. Fazit: Die Dreads kommen ab oder Laura fliegt raus. 

 

Dass Mädchen weinend ihre Haare verteidigen gab es beim Umstyling schon häufig. Manchmal hatte eine sogar den Mut unter lautem Schluchzen die Show zu verlassen. Doch nun taucht Laura auf. Sie erklärt der Kamera selbstbewusst, dass ihre Dreads mehr als nur Haare, ja sogar ein Lebensstil seien und dass sie sicher auch mit ihnen das Zeug zum Model habe. Die Schlussfolgerung: Sie muss die Show verlassen.

Doch wen schockt das wirklich? Germanys next Topmodel ist und war noch nie eine Show, die Individualismus fordert. Eigentlich kann man sie sogar als antiindividualistisch bezeichnen. Jedes Mädchen sollte möglichst gleich groß sein, die selben Maße haben, so wenig wie möglich wiegen. Für gute Einschaltquoten müssen dann noch eine Handvoll persönliche Probleme und die Verzweifelte Suche nach Aufmerksamkeit vorhanden sein. 

Irgendwie finde ich gerade dieses beispielhafte Ausscheiden einer Kandidatin mit Charakter nicht nur bewundernswert, sondern auch vorbildlich. Viele junge Mädchen streben nach dem Modelbuisiness, sind bereit fast alles dafür zu opfern, wie eine andere (mir namentlich jetzt gerade nicht mehr bekannte) Kandidatin um Chancen zu betteln. Es findet ein einziges sich Zurechtgebiege statt. Zu sich selbst stehen ist out. Möglichst gut ins Schema zu passen, der Schablone zu entsprechen ist für viele Mädchen zum einzigen Lebensinhalt geworden. 

 

Hier stehen Lauras Dreadlocks als Metapher für jegliche Art von Individualität. Bei ihr verkörpern sie einen Lebensstil. Viele andere prominente Models verbiegen sich auch im privaten. Alles wird gleich publik gemacht. Ist ein Model ebenso beliebt, wenn bekannt wird, dass es homosexuell ist oder eine Geschlechtsumwandlung hinter sich hat?

 

Hier setzt Laura das richtige Statement. Was zählt ist, sich selber treu zu bleiben. Denn der größte Gewinn des größten Erfolges kann den fatalste Verlust in einem Leben bedeuten.

 

 

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